Buchrezension: Ponyhof für Fortgeschrittene

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Tillmann Schulze berichtet in diesem Buch aus dem ersten Jahr als Zwillingsvater – Und das in wahrer Männermanier!!! Da wird eingehend über die Wahl des richtigen Autos berichtet, die Herausforderung Zwillinge als Paar grosszuziehen mit dem magischen Zusammenspiel von Michael Jordan und Scottie Pippen in der NBA verglichen und mit Leib und Seele fast schon leinwandtauglich gegen das Reflux-Monster und seine Komplizen gekämpft.

Ich hab dieses Buch gegen Ende der Schwangerschaft gelesen und konnte schon einige Monate später Folgendes darüber berichten: GEEEEENAU SOOOO IST ES!!! Tillmann erzählt aus dem Alltag heraus, ungeschönt mit einem guten Quäntchen Zuversicht und Humor, wie es im ersten Jahr mit Zwillingen zu und her geht. Es ist fast schon als stünde man bei ihm und seiner Frau Carina im Wohnzimmer – als ob man live zusehen und mit ihnen in das neue Leben als 5-köpfige Familie hineinwachsen kann. Man darf Anteil nehmen an den vielen Gedanken, die diese grosse Veränderung mit sich bringt. Miterleben wie jeder an seine Grenzen stösst und durch die Unterstützung des Partners gemeinsam immer alles irgendwie zu schaffen ist. Und viele heitere und schöne Momente nachfühlen, die diese intensive Zeit so wunderbar machen.

Gegen Ende des Buches gibt es das, was ich persönlich mir immer wünsche: Wertvolle Tipps, die aus der Erfahrung heraus geboren wurden. Etwas, das man selbst am liebsten bereits im Vorneherein gewusst hätte. Oder zumindest etwas früher als nach der langen Zeit bis die richtige Lösung gefunden war 😉

In diesem Sinne: Seid Ihr bereit einen Blick in Eure nahe Zukunft zu werfen, liebe Zwillingsschwangere? Oder habt Ihr Lust in Erinnerungen zu schwelgen, liebe Zwillingseltern? Ja? Dann auf ins Abenteuer 🙂

Details zum Buch

  • Name des Buches:                Ponyhof für Fortgeschrittene
  • Autor:                                     Tillmann Schulze
  • Typ:                                        Taschenbuch
  • Seiten:                                    168
  • ISBN:                                      978-3-906017-33-4
  • Zu beziehen bei:                   www.twinmedia.ch, www.manz.at und Amazon

 

Interview

Von Tillmann Schulzes Buch ist soeben die neue Auflage erschienen, in der er auch noch kurz, aber weiterhin sehr kurzweilig über die Highlights der Jahre zwei und drei schreibt. Ich freu´ mich sehr, dass ich ihn für ein Interview gewinnen konnte. Das ist aber noch nicht alles – Ich darf auf meiner Facebookseite www.facebook.com/doublyblessedblog ein handsigniertes Exemplar mit persönlicher Widmung verlosen 😀 Natürlich könnt ihr auch hier bis zum 04.12.2016 einen Kommentar hinterlassen, wenn ihr ebenfalls mitmachen möchtet.

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Wie alt sind Eure Zwillingsmädchen nun und wie sieht Euer Leben heute aus?

  • Annika und Janina sind nun 3.5 Jahre alt und es hat sich seit dem ersten Jahr sehr viel verändert. Die Mädchen sind trocken, ohne Schnuller, reden, sind mit dem Laufrad unterwegs und wären am liebsten bereits im Chindsgi (Kindergarten).

Das hört sich toll an. Seid Ihr an der Trotzphase unbescholten vorbeigekommen?

  • Wir hatten eine intensive – und verglichen mit unserer grossen Tochter – sehr lange Zeit mit unseren „Trotz-Trollen“, wie ich sie vorübergehend liebevoll nannte (lacht). Sie haben völlig unterschiedliche Charaktere und so war eine lange Zeit Annika die absolute Nummer eins, wenn es ums Trotzen ging. Janina war meistens einfach nur lieb. Vor einigen Monaten hat sich das jedoch ins Gegenteil gekehrt.

Es heisst ja, dass es irgendwann einfacher wird. Ist das tatsächlich der Fall? Wann war das bei Euch und wie habt Ihr es gemerkt?

  • Das Leben ist massiv einfacher geworden. Neben allen genannten Dingen schlafen Annika und Janina seit sie drei Jahre alt sind meistens richtig gut. Als Eltern hat man so wieder viel mehr Energie. Ich bin ohnehin überrascht darüber, dass Menschen über eine solch lange Zeit mit einem geringen Schlafpensum all das schaffen können!
  • Die Kinder haben in dieser Zeit zudem in der Entwicklung einen Riesensprung gemacht. Es ist wirklich einfacher geworden. Letzthin sagten meine Schwiegereltern zu meiner Frau, dass sie viel entspannter wirke als in den letzten drei Jahren. Carina antwortete darauf, dass sie ja nun auch wieder viel besser schlafen könne (schmunzelt). Das bringt einfach mehr Energie und dadurch natürlich auch mehr Nerven. Zusätzlich gewinnt man Freiräume zurück. Meine Frau und ich konnten letzthin einen Berlintrip unternehmen – Allerdings war das noch an zwei verschiedenen Wochenenden 😉

Werden Zwillinge irgendwann auch einfach als Geschwister wahrgenommen? Vielleicht sobald der Doppelwagen nicht mehr im Einsatz ist?

  • Dadurch, dass unsere Mädchen eineiig sind, bleibt die Zwillingsfrage weiterhin bestehen. Das unterscheidet sie wohl stark von den Zweieiigen. Wir waren gerade zusammen wandern. Wenn ich dann mit je einer blonden Tochter links und rechts von mir unterwegs bin, ist der Jööö-Effekt natürlich immer noch sehr stark und bringt schöne Reaktionen der Leute mit sich. Als einfache Geschwister werden sie nicht wahrgenommen.

Möchtest Du uns von Eurem liebsten Zwillingsmoment berichten?

  • Schwierig zu sagen, was der schönste Zwillingsmoment war. Mich fasziniert eher die unendliche Lebensfreude der beiden. Sie sind kerngesund, geben täglich Vollgas. In der Badi (Badeanstalt) sind sie im Kamikaze-Stil unterwegs, auf der Rutschbahn kopfvoraus, sie lachen sich gemeinsam kaputt und strahlen einfach diese totale Lebensfreude aus! Auch wunderbar war, als wir zusammen am Klöntalersee zelten waren, abends am Lagerfeuer sassen und die Kinderschar verstand, was für ein toller Moment das war!

Du hast 28 Jahre in Deutschland verbracht und lebst nun seit elf Jahren mit Deiner Frau in der Schweiz.  Hat es Dich geschmerzt, dass der Papa hier nur zwischen 1 bis 10 Arbeitstage Vaterschaftsurlaub hat anstelle der grosszügigen Elternzeit in Deutschland?

  • Ja definitiv! Die Schweiz steckt bezüglich der externen Kinderbetreuung und der Vaterschaft leider noch tief im Mittelalter. Deshalb bin ich selbst auch aktiv in der Unterstützung der Vaterschaftsinitiative. Vom Arbeitgeber bekam ich zur Geburt der Kinder einen Tag frei. Genommen hab ich mir zwei: Zwei Kinder, zwei Tage 😉
  • Hinsichtlich der Möglichkeiten, die sich in Deutschland bieten, bin ich einfach nur neidisch! Das hätte uns die erste Zeit sehr viel einfacher gemacht. Wir waren auf uns alleine gesellt und ich bin froh, dass mein Arbeitgeber so flexibel war und es mir ermöglichte, vorübergehend richtig viele Minusstunden zu schreiben. Im Nachhinein betrachtet wäre es damals besser gewesen, drei Monate unbezahlten Urlaub zu nehmen, aber das ging beruflich – und finanziell – leider nicht.

Wie kamst Du dazu Deine Erfahrungen als Buch zu veröffentlichen? Und vor allem: Wie fandest Du die Zeit dazu?

  • Per Zufall wurde ich von einem Verlag angefragt, einen Fragebogen für das Buch „Zwillinge? Klar Mann! 12 Zwillingsväter reden Klartext“ auszufüllen. Der Verlegerin gefiel mein Fragebogen so gut, dass sie anfragte, ob ich Lust hätte unsere Erfahrungen als Buch herauszubringen.
  • Ich habe das Schreiben immer als ein „Schreiben gegen das Vergessen“ gesehen. Ausserdem war es für mich eine Art „Selbsttherapie“ zur Verarbeitung des ersten Jahres mit den Zwillingen. Ich nahm das Schreiben als Entspannung wahr und schrieb ohne Druck: Meist höchstens 45 Minuten am Stück, unterwegs in der S-Bahn oder abends Zuhause.

Werden wir demnächst wieder etwas von Dir lesen können?

Und zu guter Letzt – Hast Du einen tollen Zusatz-Tipp für die Leserinnen und Leser des DoublyblessedBlogs?

  • Gerade bei eineiigen Zwillingen ist es sehr wichtig, sie als Individuum zu behandeln. Wir haben daher nie von „den Zwillingen“ gesprochen, sondern immer von Annika und Janina. Um dasselbe haben wir auch unsere Familien gebeten.
  • Eine Freundin, die selbst eineiiger Zwilling ist, hat den Umstand, dass sie und ihre Schwester immer als Einheit betrachtet wurden, in schlechter Erinnerung behalten. Deshalb ziehen wir die Mädchen auch nie gleich an – Es ist zwar super süss, aber es verstärkt natürlich die Wahrnehmung als Einheit.
  • Wir nehmen uns zudem immer mal wieder Einzelzeit mit jedem Kind. Auch in der Krippe wurde festgestellt, dass die Mädchen sich bei Einzelzeit total anders verhalten als wenn sie zusammen sind. Um ihre Individualität zu stärken, haben wir uns daher auch entschieden, sie auseinander zu nehmen, wenn sie in den Kindergarten kommen.

Herzlichen Dank für das offene und unterhaltsame Gespräch!

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3 Kommentare zu „Buchrezension: Ponyhof für Fortgeschrittene

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